Alpen-Bergfieber

Datum/Zeit
06.02.2017 - 19:30 - 22:00


bergfieber

Steffen Hoppe, Offenbach

Sicher kennen Sie das. Da sitzt man daheim nervös über zig Landkarten, fragt Wetterberichte ab, wägt die Bedingungen ab, es kribbelt vor einer großen Tour. Typisches Krankheitsbild: Bergfieber. Sind Sie befallen? Dann kommen Sie mit. Wohin?

Dort wo sich heute der große Gletscher erstreckt, lag einst die reiche Stadt Tanneneh. Sie wurde verwunschen und versank unter Schneemassen. Heute noch, am frühen Morgen und späten Nachmittag, schimmern rotgolden die Gletscher der Ötztaler Alpen. Prominente Gipfel wie die Wildspitze und den Hinteren Brochkogel stelle ich vor. In der Zeit der Raunächte, erleben wir in den Tälern des Salzburger Landes farbenprächtige, uralte Riten; den Gasteiner Perchtenlauf, sowie die kauzigen Schnabelperchten in Rauris. Waren Sie je in den Dolomiten? Erinnern Sie sich an Nachmittage und Abende, wenn Wolken aufzogen, Nebelbänke bleischwer über den bleichen Bergen lagen? Es würde nicht wundern, wenn das Ungeheuer Spina de Mul irgendwo auf den Pässen und Gipfeln sein Unwesen treibt. Auf einer atemberaubend schönen Route durchqueren wir die Sella im Zentrum der Dolomiten.

Unser Zelt ist nur mehr ein kleiner gelber Punkt an der Schneegrenze. Langsam steigen wir dem Galenstock entgegen. Im Westen wogt ein unermessliches Meer filigraner Bergspitzen und massiger Erhebungen. Die Walliser Alpen. Kommen Sie mit in die Heimat der Yaks (richtig gelesen) und auf ausgedehnte Grattraversen hoch über Zermatt (Monte Rosa und Liskamm). Wie ein Drachenkörper windet sich der Aletschgletscher ins Tal. Ein legendenumwobenes, arktisches Wander- und Hochtourengebiet. Im Mai weht ein Hauch von Spanien durch das Rohnetal, wenn sich die Walliser zur Combats de Reines treffen: Unblutigen Kuhkämpfen. Therapiedauer rund 110 Minuten. Kaum Hei- lungschancen, das Bergfieber wird danach erst recht ausbrechen.